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Hier der OP-Artikel nochmal in großer Schrift

Einige Originale sind zu groß fürs Rathaus

Von der Reduktion blockhaft angewandter Kontrastfarben bis zur kleinteiligen Einteilung ihrer Werke: Miltraud Menzel-Kräling beherrscht die Instrumentarien, die für die Qualität ihrer Arbeiten unerlässlich sind.


Miltraud Menzel-Kräling zeigt bei der Ausstellung im Rathaus unter anderem ihr Werk „Herzdame“. Foto: Karin Waldhüter


Amöneburg. Als Teil der Reihe „Kunst im Rathaus“ präsentiert Miltraud Menzel-Kräling bis zum 12. Januar insgesamt 24 ihrer Werke im Amöneburger Rathaus und zeigt damit einen Ausschnitt ihres Schaffens. Der Reiz der Ausstellung liegt in den großen Unterschieden, da die Künstler auf verschiedene Techniken zurückgreift. Schriftzeichen, Liedtexte oder Gedichte und die von Miltraud Menzel-Kräling selbst entwickelte „Kreuzchen-Technik“ prägen ihre Werke und geben ihnen Richtung und Struktur.

Zu sehen sind auch drei Bilder, die den Betrachter auf die Amöneburg blicken lassen. Besonders auffällig ist die dreidimensionale Arbeit „Kleine Stadt am Berg“ aus dem Jahr 2014. „Landschaften am Fluss“ und „Mondnacht“ zeigen die Silhouette des Berges aus der Perspektive der Nachbargemeinden Kirchhain und Ebsdorfergrund.

Ihre künstlerische Ausbildung begann die Beltershäuserin am Institut für Graphik und Malerei, dem heutigen Institut für Bildende Kunst der Philipps-Universität Marburg im Wintersemester 1997/1998. Sie beteiligte sich an zahlreichen Gruppenausstellungen - zum Beispiel am ersten Amöneburger Kunstspektakel - und hat seit dem Jahr 2000 eine Reihe von Einzelausstellungen vorzuweisen, die sie einmal sogar bis nach Korea führten. Zuletzt präsentierte sie im Wetzlarer Dom unter dem Titel „Zeit der Engel“ einen viel beachteten Bilderzyklus von 16 großformatigen Engelsmotiven.

Im Amöneburger Rathaus zeigt die Künstlerin sechs kleinere digitale Drucke aus dem Zyklus, da die Originale für den beengten Raum schlicht zu groß sind. Bei dem Bild „Engel mit Drachen“ taucht ein Drachen zum ersten Mal in der Ausstellung auf. Bei der „Weihnachtsbotschaft“ und der „Fremde“ treffen die Besucher wieder auf dieses Fabelwesen. Neben dem wiederkehrenden Drachenmotiv ist ein weiteres Wesen in der Ausstellung zu sehen: Ein Stier, den die Künstlerin zweimal zum Hauptmotiv macht.

„Malen ist eine Macht, die mich überkommen hat, und die in mir war“, berichtet die Künstlerin. Mitte der 90er Jahre hängte die heute 66-Jährige ihren Beruf als medizinisch-technische Assistentin an den Nagel, um ihrer künstlerischen Berufung nachzugehen. „Am Anfang war es wie eine Sucht, die in mir war“, erzählt Menzel-Kräling. Die Sucht zu malen sei heute nicht mehr so drängend, und sie male derzeit mehr in Epochen. Hunderte Bilder hat sie geschafften -rund 120 ihrer Werke verkaufte sie.

Leben könne man davon allein aber nicht, erzählt sie weiter. „Für mich steht die Freude am Malen im Vordergrund, und es steckt sehr viel Arbeit in jedem einzelnen Werk - mehr als mancher erahnen kann“, sagt sie.

„Bei dem Titel ,Griechisches Alphabet‘ kann man eindrucksvoll erahnen, wie die Künstlerin an ihre Arbeit geht, und wie sie alle zur Verfügung stehenden Medien wie Untergründe, Materialien und Farben miteinander in Verbindung bringt und sich dazu von sehr viel Intuition leiten lässt“, sagte Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg während der Vernissage und stellte „Herzdame und Herzbube“ heraus: Bei dem Bild aus dem Jahr 2012 könne der Betrachter die von der Künstlerin oft angewandte „Kreuzchen-Technik“ sehen, die ihr Markenzeichen sei und den gestalteten farbigen Flächen oft eine ganz besondere Struktur und Ansehen gebe.

von Karin Waldhüter



 

 

Auszug aus der Laudatio für Miltraud Menzel – Kräling [1]

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren!

 

 

Ich freue mich, Ihnen heute die Künstlerin Miltraud Menzel – Kräling vorstellen zu dürfen und zwar mit einem überaus besonderen und in mehr als einer Hinsicht bedeutenden Teil ihres Werkes.

 

„Zeit der Engel“ hat die Künstlerin ihre Ausstellung genannt und sich mit ihrem Bilderzyklus einem wahrhaft großen Thema gestellt.

 

(...)

 

Das vordringliche Anliegen der Künstlerin ist, mit den Bildern ihrer heutigen Ausstellung die Menschen zum Nachdenken, zur Meditation anzuregen, die Seele, also das Unsichtbare eines jeden Menschen anzusprechen, in Analogie zu ihrem künstlerischen Schaffensprozeß, der im sichtbaren Endprodukt, dem Bild, etwas Unbewusstes, nicht vorher Festgelegtes, ihrer selbst zum Ausdruck bringt.

 

Ein Vorgang, der einer Geburt ähnelt.

 

 

Die 16 Motive, die Miltraud Menzel – Kräling für den Wetzlarer Dom ausgesucht hat, erlebte die Künstlerin während des Schaffensprozesses – um im Bild zu bleiben – als mitunter schwere aber auch leichte Geburten.

 

Wi e bereits eingangs erwähnt, haben sie unterschiedliche Entstehungszeiten. Gemeinsam ist ihnen außer der Thematik das Format, nämlich 1 m x 1,50 m oder 1,60 m, sowie die Ausführung in Mischtechnik auf Leinwand. Sämtliche Engel sind im Hochformat dargestellt, die Mehrheit von ihnen formatfüllend, so dass sie fast lebensgroß wirken. Die Kompositionen sind flächig angelegt, aber wenn Sie die Bilder später im Original erleben, werden Sie bei zahlreichen Motiven reliefartige Strukturen erkennen bis hin zu einer regelrechten Reliefarbeit wie dem mit „Auferstehung“ betitelten Motiv.

 

 

Die Anfangsidee für ein neues Werk entsteht in der Künstlerin häufig durch ein Musik- oder Leseerlebnis, letzteres ist für den Betrachter gut nachzuvollziehen bei den Motiven, wo sie die Figuren mit Schriftzeichen oder ganzen Textzeilen kombiniert hat.

 

 

Was den Einsatz der Farbigkeit anbelangt, beherrscht Miltraud Menzel – Kräling das gesamte künstlerische Instrumentarium: von der Reduktion auf blockhaft angewandte Kontrastfarben, über die Entwicklung eines Motivs innerhalb einer Farbpalette, bis hin zur kleinteiligen Durcharbeitung eines Gewandes, die an künstlerische Auffassungen des Jugendstils erinnert.

 

Anders als die Engel der christlichen Frühzeit wirken die Engel von Miltraud Menzel- Kräling eher weiblich oder allenfalls androgyn, die Bildaussagen greifen nur teilweise auf christliche Zusammenhänge zurück, ebenso wie die Bildtitel, auf die die Künstlerin interessanterweise am liebsten verzichten würde, um dem Betrachter die größtmögliche Freiheit in der Auseinandersetzung mit ihren Werken zu gewähren.

 

 

Besonders hervorheben möchte ich die beiden Bilder des Engelszyklus, die sich mit dem christlichen Georgsmotiv auseinandersetzen, dem Kampf des guten Ritters gegen das Böse in Form eines Ungeheuers. Im ersten Werk der Künstlerin wird genau dieser Kampf thematisiert, beide Kontrahenten sind gleich groß, gleich entschlossen, den anderen zu töten, die Krallen des Ungeheuers überdeutlich herausgearbeitet, das Schwert des Engels endet in intensivem Rot.

 

 

Im zweiten Werk der Künstlerin, mit dem Titel „Vergebung“, erleben wir eine andere Verarbeitung dieses Motivs. Engel und Ungeheuer sind immer noch gleich groß, die Wehrhaftigkeit wird über das gezückte Schwert weiterhin thematisiert, doch diesmal umfangen sich Engel und Ungeheuer in vertraulicher Geste und mit liebevollem Gesichtsausdruck, das Ungeheuer trägt sein Herz sichtbar nach außen.

 

 

Dies scheint mir die sehr hellsichtige Botschaft der Künstlerin Miltraud Menzel – Kräling für uns als Betrachter zu sein: in der Auseinandersetzung mit den Problemen unserer Welt und den eigenen, persönlichen Schwierigkeiten den Weg des Verstehens, der Versöhnung, der Liebe zu gehen.

 

 

…Ich suche den Weg“ – das ist der Satz, mit dem Miltraud Menzel – Kräling ihr künstlerisches Werk überschreibt.

 

Ich bin der Meinung, dass sie mit dieser gelungenen Ausstellung den Weg in unsere Seelen und Herzen gefunden hat.

 

1) von Sabine Harder, Kunsthistorikerin und Kuratoriumsvorsitzendes des Marburger Hauses der Romantik, Bunter Kitzel 1, 35037 Marburg. sabuliharder@gmx.net -gehalten am 13.09.2014 im Ev. Domgemeindehaus Wetzlar anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Zeit der Engel“ vom 13. September bis 06. Oktober 2014 im Wetzlarer Dom.